Wissenschaftsrat fordert mehr Interaktion zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
Der Wissenschaftsrat ist das zentrale bundesweite Beratungsgremium, dem auch FH-Rektor Klaus Niederdrenk angehört.
In einem Positionspapier “Empfehlungen zur Interaktion zwischen Wissenschaft und Wirtschaft” fordert der Wissenschaftsrat:
- vermehrte Strategische Partnerschaften zwischen Hochschulen und Unternehmen
- einen Fonds zur Entwicklung von Ideen zur Marktreife
- Anreizsysteme
- die Verankerung von Wissens- und Technologietransfer als strategischem Ziel von Hochschulen
- ein Erfinder-freundlicheres Patentrecht.
Ziel sei die Steigerung der “Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft” und die “Weiterentwicklung von Forschung und Lehre”.
Zwar schränkt der Wissenschaftsrat ein, dass Unternehmen und Bildungseinrichtungen “unterschiedlichen Prinzipien und Handlungslogiken” folgen, die nicht vereinheitlicht werden können und sollen, gleichzeitig fordert er jedoch eine immer weitergehende Indienstnahme der Hochschulen für die Wirtschaft.
Nachdem (auch aufgrund von Empfehlungen des Wissenschaftsrates) Studiengänge und Abschlüsse durch die Einführung von Bachelor/Master vereinheitlicht, gestrafft und auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes ausgerichtet wurden und die Einführung von Studiengebühren Studierenden durch eine Verschärfung ihrer ökonomischen Situation eine weitere Fixierung auf ein (wiederum arbeitgeberfreundliches) zügiges Studium aufnötigt, scheint auch mit dieser Forderung nach zunehmender Ökonomisierung der Hochschulen immer mehr in den Hintergrund zu treten, wofür Hochschulen eigentlich noch gut sind!?
Dem herrschenden Geist entgegengesetzt könnte man auch mit guten Gründen plädieren…:
Für ein langsames Studium!
Ein Studium sollte auch eine Phase persönlicher Entwicklung sein; kritisches Denken, Kreativität, Reflektion, der “Blick über den Tellerrand”, die Möglichkeit von Orientierungsprozessen, politische Partizipation, Erlernen von vielfältigen Fähigkeiten am Rande des Studiums durch die bisherige Möglichkeit, in einem relativen geschützten Raum auch neue Ideen zu entwickeln, das alles gelingt nur schwerlich unter Zeitdruck; (ironischerweise sind eine Reihe heute hoch erfolgreicher Unternehmen gerade die Folge von privaten, eigeninitiativen Nebentätigkeiten Studierender, die unter Studiengebühren und Ba/Ma vermutlich abgewürgt werden);
Für eine Trennung von Hochschulen und Unternehmen!
Hochschulen drohen im schlimmsten Fall zu billigen Laboren für Unternehmen zu werden. Dadurch wiederum kann sich auch der Druck auf dem Arbeitsmarkt weiter erhöhen. Welches Unternehmen stellt teuere Wissenschaftler ein und betreibt Forschungseinrichtungen, wenn die gleiche Arbeit billiger von Hochschulen erledigt werden kann? Überdies wird die Unabhängigkeit der Hochschulen massiv gefährdet, selbst Forschungsschwerpunkte zu setzen, je stärker die (insbesondere finanzielle) Abhängigkeit von der Wirtschaft wird.
Idealerweise sollten Hochschulen Forschung und Lehre direkt an den Bedürfnissen der Gesellschaft ausrichten. Die Bedürfnisse der Wirtschaft entsprechen denen der Gesellschaft aber allenfalls mittelbar. Mitunter widersprechen sie ihnen: was sich gut vermarkten lässt, muss deshalb noch lange nicht gut für die Bevölkerung sein…
Globale ökonomische Bedingungen stellen die Gesellschaft vor große Herausforderungen und können nicht einfach ignoriert werden. Aber aus scheinbarer Ohnmacht heraus wird häufig argumentiert, als habe man es bei den Bedingungen, die sich aus der Globalisierung der Wirtschaft ergeben, mit unveränderbaren Naturgesetzen zu tun. Von einem Gremium, das auf höchster Ebene die Politik in Wissenschaftsfragen berät, könnte man mehr erwarten, als den Fokus darauf zu richten, die totale Ökonomisierung zu perfektionieren.
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