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Studiproteste in Kolumbien

In Kolumbien finden aktuell zum großen Teil von Studierenden getragene Massenproteste gegen Kürzungen u.a. im Bildungsbereich statt.
Seit dem 2. Mai befinden sich landesweit über 24 öffentliche Universitäten Kolumbiens im Streik. Am 23. Mai kam es zu einem Nationalstreik: Etwa 1 Million Menschen, die ihre Wut auf die Strassen trugen.

Seit diesem Tag schlossen sich sämtliche Oberschulen den universitären Protesten an: Studierende, SchülerInnen, ProfessorInnen und ArbeiterInnen innerhalb des akademischen Sektors besetzen seit Wochen ihre jeweiligen Einrichtungen, kämpfen zu Tausenden für den Erhalt des öffentlichen Bildungssystems und gegen die aktuelle paramilitärische Regierung, sind dabei konsequent Gewalt, Drohungen, Verfolgungen und Stigmatisierungen von Seiten der Polizei und des Militärs ausgesetzt. Wie gegen viele soziale AkteurInnen, kritische Stimmen und politische Oppositionelle in Kolumbien werden auch gegen die aktuelle Protestbewegung – die stärkste soziale Mobiliserung der Bevölkerung seit Jahren! – schwere Geschütze aufgefahren. Demonstrationen und Protestmärsche werden mit Tränengas, Wasserwefer, Raumpanzer und Massenverhaftungen zerschlagen, den sozialen Forderungen der Bewegung begegnet die Exektutive mit blanker Gewalt, die Regierung mit Verleumdungen, Verklärung und Stigmatisierung.

Letzten Donnerstag, dem 24. Mai, erklärte Präsident Alvaro Uribe innerhalb der wichtigsten Nachrichtensendungen, die Illegitimität des öffentlichen Protestes und der Massenbewegung. In den darauf folgenden Tagen bereitete die Regierung die nun zu befürchtende Eskalation der Repression schäufchenweise über diverse Botschaften und Signale in den Massenmedien vor. Am Montag, dem 28. Mai, verkündete der (von der uribischen Regierung vor rund einem Jahr eingesetzte) Rektor der Universidad Nacional de Colombia / Bogotà (UNAL), Moises Wasserman, die polizeiliche Räumung des Campus sowie die unbefristete Schliessung dieser grössten, wichtigsten – und sicherlich kritischten – kolumbianischen Bildungseinrichtung an.

Dieser radikale Schritt kommt nicht von ungefähr: die UNAL Bogotà hat sich gegenüber der systematischen staatlichen Gewalt und der versuchten politischen Einflussnahme sowie den latenten Intentionen der Militarisierung der Universität selbst, bisweilen als bemerkenswert resistent erwiesen. Ihre 30.000 Studierenden, ProfessorInnen und ArbeiterInnen sind nicht zufällig auch das Epizentrum der aktuellen Massenmobilisierung. Mit der nun angedrohten Räumung und unbefristeten Schliessung der Universität soll die sich seit wenigen Wochen rasant intensivierende Organisierung des Protestes (welcher sich innerhalb dieses Monats schon auf sämtliche soziale Sektoren ausgeweitet hatte) eingstampft und weiteres Aufbegehren gegen die repressive Staatlichkeit unterbunden werden. Dieser Versuch der Unterdrückung und Niederschlagung der aktuellen Protestbewegung richtet sich dabei nicht „nur” gegen grundlegenden soziale, politische und demokratische Rechte, sondern entwickelt sich zunehmends auch zu einer schwerwiegenden Bedrohung für die physische Unversehrtheit und Integrität von zig tausenden – zu einem grossen Anteil jugendlichen – Protestierenden.

Seit Montag dem 28. Mai werden die landesweit besetzten Schulen und Universitäten suksessive geräumt, die BesetzerInnen sind der einrückenden staatlichen Exekutive – bewaffnet mit Gummigeschoß, Gasgranaten und Knallkörperexplosiva – dabei wehrlos ausgeliefert. Die intentierte Zerschlagung des sozialen Zentrums des Protests – die Räumung der von hunderten Studierenden und ArbeiterInnen besetzten UNAL, welche hiermit gegen die benannte Schließung verteidigt werden soll – wird höchst wahrscheinlich mit weiterer Gewalt, weiteren Massenverhaftungen, weiterer Stigmatisierung, kurz: einer Eskalation der Repression, durchgesetzt werden. Das aktuelle Geschehen sowie das Auftreten der politischen Entscheidungsorgane lässt diese Eskalation dabei als zeitlich bereits sehr naheliegend erscheinen.

(Torben Somasundram, Bogota)

Siehe auch: derstandard, indymedia

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