Rainer Trampert und Thomas Ebermann „Bitteres Vergnügen“
Eine satirische Lesung
“Sie gelten als die Linksaußen in der deutschen Kabarettszene.”- Woran erkennt man das? Sie fordern von ihren Zuhörern die Nutzung eines Organs, das aus der Mode gekommen ist, seit wir alle nicht mehr “klüger als der Markt” sein und selbst die Studenten nur noch lernen statt denken sollen: “Wer beiden folgen möchte, der muss nicht nur die Ohren spitzen, sondern auch das Gehirn einschalten.” Das kann, wenn lange unbenutzt, zu Reibung und Qualm führen – “einem Teil des Publikums rauchte zur Pause schon der Kopf.” Aber dann findet man sich: “Galgenhumor nennt man das wohl, was auch beim Publikum vergnügte Bitterheit oder bitteres Vergnügen bewirkt.” Selbiges wird erzielt mit “einer ebenso einfachen wie wirkungsvollen Technik: Original-Töne werden mittels Zwischenbemerkungen zur Kenntlichkeit entstellt.” Daraus entsteht “ein erzählerisches Meisterstück, eine in Benjaminscher Erzählweise verdichtete Schlagzeilen – Berichterstattung.” Manchmal fühlen sie sich von den Rezensenten richtig gut verstanden: “Das ist der verzweifelte Witz, der aus der Position der Ohmacht entsteht und doch nie ohne tief empfundene Solidarität daherkommt.” Manche Rezensenten sind ihrerseits erleichtert, dass besagter Witz ein ohnmächtiger ist. Sie sind “froh, dass die beiden bärbeißigen Linken ihre Verachtung des politischen Pragmatismus nur auf harmlosem Papier austoben und keine Politik mehr gestalten.” Versprochen ist ein Mix aus alter und neuer Verachtung des Pragmatismus.
Zum Programm “Bitteres Vergnügen”:
In dem aktuellen Stück: „Der Dax in der Hypothekenkrise“ (Trampert) geht es um wichtige Anlagetipps (in den USA sind Immobilien günstig zu haben) und um die Frage: Braucht der Mensch, der vom Humankapital zum kompletten Kapital mutiert, nicht hin und wieder etwas Lebendiges wie den Dax, der freundlich ist, nachgibt, sich erholt… ? Nicht minder aktuell ist die Frage, was die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland damit zu tun hat, dass der Dirigent des Deutschen Synfonieorchesters am 3.Oktober die Kantate „Von deutscher Seele“ des Nazi-Komponisten Hans Pfitzner aufführen musste (Ebermann).
In der Rubrik „Erkenne dich selbst und tu was für dich“ begründen beide, dass sie sich, was ihre beruflichen Perspektiven angeht, der „Digitalen Boheme“ (Ebermann) anschließen. Warum? Wer Websoftware (das neue Lotto der digitalen Boheme) schreibt, dem stehen alle Quellen des Sponsoring, Product Placement und Eventmarketing offen. In dem Stück „Hypnotische Reinkarnationstherapie“ (Trampert) wird dann gezeigt, dass jeder Mensch schon viele Wiedergeburten hinter sich hat, und, dass traumatische Erlebnisse aus früheren Leben, ob im alten Rom oder in einem Stall in Bethlehem, per Reinkarnationstherapie leichter zu heilen sind als per Psychoanalyse.
Im Programmteil „Wissenschaft leicht gemacht“ wird der neueste Stand der „modernen Gehirnforschung“ (Trampert) vorgestellt, weil jeder wissen sollte, dass er keinen eigenen Willen hat, sondern von Schaltkreisen und Neuronen gesteuert wird, für die er nichts kann. Es wird ein Zwischenbericht sein, weil noch offen ist, warum die Neuronen sich im Nationalsozialismus gerade so und nicht anders entschieden haben. Außerdem geht es um die neuen „Elite-Unis“ (Ebermann). Dass wir sie brauchen, steht ausser Frage, offen ist aber, was semiotisch reine, prädiskursive Wege durch das architektonische Rauschen, die frei sein müssten vom Unterholz der Sinnlichkeit , damit zu tun haben, dass der Versuch des Verstehens ein stolpernder und potentiell irrender ist.
Im Bereich „Politik, Geschichte und Kultur“ wird mit „Joschka Fischer“ (Trampert) darüber gesprochen, warum er erst jetzt, in seinem 29. Buch, offenbart, dass er schon immer unter seiner Hochbegabung gelitten hat, und dass Gerhard Schröder eine Niete ist. Zur Aufarbeitung der Geschichte gehört, dass man nicht nur die Taten von Franz Josef Strauss, dem alten Fritz, Fürst Bismarck, Otto Lilienthal, Dutch Schultz, Ceausescu, Konfuzius oder Mutter Teresa kennt, sondern endlich auch ihre „letzten Worte“ (Ebermann) würdigt, die sie hauchten, bevor sie die Augen für immer schlossen.
Supermodern wird das Programm bei der Frage, ob Rapper „Eminem“ (Trampert), Bushido, acht Einschüsse (nur für die Authentizität) und die Suche nach der Wiederkehr der verlorenen Pubertät im Kampf gegen das neue Selbstverständnis der Frauen helfen können. Weitere Fragen sind: Mit welchem Trick will „Benedikt“ (Trampert) den dramatischen Niedergang der Katholischen Kirche in Brasilien und Österreich stoppe? Nach welcher Regel ist das Spiel fortzusetzen, wenn eine Krähe mit dem Golfball im Schnabel seitwärts in den Wald geflogen ist? (Ebermann) Wer hilft Lotto_Millionären bei der Flucht vor ihren Verwandten und weniger nahe stehenden Schatzsuchern? (Trampert)
Rainer Trampert und Thomas Ebermann leben als freie Publizisten in Hamburg als Autoren u.a. für KONKRET und Jungle World. Zuletzt gastierten sie mit ihrem Kabarettprogramm „Zu Gast bei Freunden“ 2006 in Münster.
Als Buchtitel erschienen:
Die Offenbarung der Propheten (1996)
Verpasst Deutschland den Anschluss? (2000)
Sachzwang & Gemüt (2002)
Veranstaltet von der Jourfixe-Initiative Münster, unterstützt durch die ASten der Uni Münster und der FH Münster.
Mittwoch // 16.01.08 // 20 Uhr
Club Courage // Friedensstrasse 42 (Hinterhof) // Münster
Einlass: 20 Uhr // Beginn: 20:30 Uhr







Von elke rupprecht, 1. Oktober 2008 @ 16:29
thomas mein träumer, hier bin ich elke dur weißt. immer – und dass weißt du – gaube ich an dass, wass wir uns gemeinsam erarbeitet haben. weißt du noch in harburg oder bei baddy im keller, wir waren doch so stoned.
aber sonst hat du mit allem vüllig recht. dein buch war super uned entsprach völlig meinem empfinden. hey thomas, ulli und ich bitte, lass uns treffen. irgendwann sind wir tot und dann. mien mutter f#hrt schon mit dem gehwagen.
thomas,m biite, du bist mein bester, du hast mich gelehrt die welt zu verstehn, aber dass ist wohl doch nur wunschdenken.
küsschen, deine elke 040/7380002 auch du hast eine verpflichtung / verwandschaft
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