Sind Studentenwerke noch zeitgemäß?
Die Studentenwerke stehen des öfteren in der Kritik, weil ihre Kunden, also die Studierenden und weitere Mitglieder der Hochschule, mit dem Umfang und der Qualität der Leistungen häufig nicht zufrieden sind. Die Studentenwerke haben eine Monopolstellung und diese Stellung führt dazu, dass qualitative Maßstäbe, Wirtschaftlichkeit, Serviceorientierung und Innovationen auf der Strecke bleiben. Unverständnis löst insbesondere das Alleinstellungsmerkmal der Studentenwerke hinsichtlich des Betriebs von Mensen aus. Während im Ausland Fast-Food Ketten und Caterer um die Gunst der Studierenden buhlen und diese Konkurrenzsituation ein gutes Preis-Leistungsverhältnis schafft, wird hierzulande im Stil von ehemaligen Planwirtschaften des Ostblocks agiert. Handelt es sich bei der Bulettenversorgung um eine hoheitliche Aufgabe, fragen sich Interessierte? Wohl kaum. Dennoch haben Studentenwerke im Bereich der Mensen ein Alleinstellungsmerkmal und verärgern so private Unternehmen, die beispielsweise im Catering oder der Café-Branche angesiedelt sind.
Aber auch Hochschulen reagieren zunehmend mit Unverständnis auf diesen Zustand, da in Zeiten von Excellenz-Initiativen auch zunehmend eine excellente Versorgung verlangt wird. Doch auch ohne Excellenzinitiativen haben die Studierenden und die Hochschulen ein Recht auf eine flächendeckende, hochwertige Versorgung, die derzeit von den Studentenwerken nicht gewährleistet werden kann. Verkrustete Strukturen und unprofessionelles Handeln führen dazu, dass immer mehr Rufe nach der Zerschlagung der Studentenwerke laut werden. Kritisch werden die Bereiche Essensversorgung und Wohnheime betrachtet. Denn hier könnten private Unternehmen durchaus ansprechende Angebote unterbreiten. Doch derzeit scheint dieses aufgrund der “Monopolstellung” nicht möglich zu sein.
Für Verärgerung sorgt auch der Umstand, dass die Studentenwerke von jedem Studierenden ein Mal im Semester Sozialbeiträge kassieren und zusätzlich noch Subventionen der Länder einstreichen. Von einer solchen flächendeckenden Finanzierung kann die Imbissbude um die Ecke oder auch die Großküche, die Schulen beliefert, nur träumen. Obwohl manche Studentenwerke betonen, dass sie ja nicht nur soziale Dienstleister seien und auch auf dem Markt aktiv sind, werden sie sowohl von Studierenden und von den Ländern großzügig bezuschusst. Die Studierenden können sich gegen den Umstand, dass sie den Sozialbeitrag entrichten müssen, nicht wehren. Auch wenn die Studentenwerke behaupten, dass sie auch auf dem Markt aktiv sind, so bleibt festzuhalten, dass dieses nur partiell richtig ist. An der Hochschule selber gibt es keinen Markt sondern nur das Studentenwerk, dass die Studierenden versorgt. Im Wettbewerb steht das Studentenwerkmit Wohnungsbaugesellschaften, PKW-Verleihern und z.T. auch Caféterien. Hier haben sie allerdings beträchtliche Wettbewerbsvorteile durch die besagten Subventionen. Einige Studentenwerke nisten sich beispielsweise auch in Segmenten wie luxuriösen Wohnheimen für wohlhabende Studierende, Tagungshotels und weitere “soziale Dienstleistungen” ein. Unverständnis löst dieser Umstand aufgrund von maroden Wohnheimen, die über längere Zeit leer stehen, schon aus.
Es gibt also beträchtliche Kritik an den Studentenwerken, in deren Verwaltungsräten auch Studierende vertreten sind. Der Stifterverband und die Heinz-Nixdorf-Stiftung haben bereits in einem Positionspapier zur “deregulierten Hochschule” die Öffnung der Hochschulen für weitere Dienstleister gefordert. Auch zahlreiche Studierende, die von begrenzten Öffnungszeiten, einseitigem Essen, schlechtem Service und obrigkeitsstaatlicher Behandlung, wie bei der Abwicklung der Ausbildungsförderung, die die Studentenwerke im Auftrag des Bundesverwaltungsamts durchführen, genug haben, können sich der Forderung des Stifterverbands und der Heinz Nixdorf Stiftung anschließen. Auch wenn unter den Studierenden zahlreiche weitere Punkte aus dem Positionspapier zur “deregulierten Hochschule” auf z.T. Kritik stoßen würden.
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