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Kommentar: Drastische Beitragserhöhung beim Studentenwerk – Die Studierenden dürfen weiter zahlen!

Die 700,- € Grenze wurde mit der aktuellen Zahlungsaufforderung der Fachhochschule für das Sommersemester 2010 geknackt! Daran ist aber nicht nur die Einführung des NRW-Semestertickets schuld. Neben den Gebühren für das Ticket hat auch das Studentenwerk seine Beteiligung kräftig ausgebaut.

Acht Euro mehr! – Diesen Mehrbetrag müssen alle Studierenden in Münster ab dem kommenden Semester an das Studentenwerk zahlen. Insgesamt belaufen sich die Zahlungen pro Semester auf 73,44 Euro, also 146,88 Euro pro Jahr. Diese Erhöhung wurde am 9. Dezember im Studentenwerk vom Verwaltungsrat beschlossen. Damit ist der Beitrag innerhalb von nur einem Jahr um 17,50 Euro – also um mehr als 30 Prozent – angehoben worden. Bei ca. 45.000 Studierenden in Münster entspricht dies Mehreinnahmen – nur durch Studierende – von 1.575.000 Euro pro Jahr!

Begründung der Erhöhung

Begründet wurde die letzte Erhöhung mit dem Rückgang von Studierendenzahlen, mit Mietausfällen aufgrund von Sanierungsarbeiten in Wohnheimen und – zumindest bei der ersten Erhöhung in diesem Jahr – mit einem Ausbau des BAföG-Beratungsangebotes.

Hier stellen sich gleich mehrere Fragen: Einerseits warum das Studentenwerk für die hoheitliche Aufgabe des Staates – als Behörde für Ausbildungsförderung – für Beratungsangebote Studierendenbeiträge verwenden will und andererseits, wie sich eine Erhöhung bei der hiesigen inhaltlichen und wirtschaftlichen Ausrichtung des Studentenwerkes rechtfertigen lässt.

Zunächst zum Prozedere:

Die Geschäftsführung setzte am 09.12. in der Sitzung des Verwaltungsrates den Mitgliedern die Pistole auf die Brust, weil es den erhöhten Betrag bereits an die Fachhochschule weitergegeben hatte, bevor dieser überhaupt beschlossen worden war. Das allein spricht für eine äußerst fragwürdige Geschäftspraxis und greift eindeutig der Kompetenz des Verwaltungsrates vor, in dem übrigens auch studentische Mitglieder vertreten sind.

Um das immense Loch im Haushalt zu stopfen plant das Studentenwerk neben den enormen Beitragerhöhungen drastische Einschnitte im Bereich der Mensen. So war – es berichteten studentische Mitglieder des Verwaltungsrates – von Schließungen bis hin zu verringerten Öffnungszeiten die Rede.

Sind die Studierenden weiter die Zielgruppe und Kernaufgabe des Studentenwerkes?

Es ist scharf zu kritisieren, dass bei einem von gewerblichen Tätigkeiten bestimmten Handeln des Studentenwerkes die eigentliche Kernaufgabe – im Sinne der Studierenden zu agieren – immer weiter aus den Augen gerät.

Die Agora-Hotels, die vom Studentenwerk Münster geführt werden sind dafür die besten Beispiele. Was ist der Nutzen von zwei Hotels, die auf Kosten der Studierenden in Münster geführt werden?

Das „Seehotel“ des Studentenwerkes ist erst 2008 in einem eigens vom Studentenwerk errichteten Neubau in Betrieb genommen worden. Ab 70,- € pro Nacht kann hier jeder übernachten und den Blick auf den Aasee genießen.

Das Studentenwerk argumentiert zwar, dass durch die gewinnträchtigen Unternehmensteile erst soziale Aktivitäten finanzieren werden könnten, horrende Investitionskosten und der Umfang der gewinnorientierten Tätigkeiten lässt aber den Kernbereich der Aufgabenwahrnehmung kaum noch erkennen. Alleine durch Einnahmen von Studierenden (ausgegangen von einer geschätzten Zahl von 45.000 und der Zahlungssumme von 73,44 Euro) erhält das Studentenwerk jährlich 6.609.600,00 Euro!! Andere Zuschüsse und Einnahmen sind hier nicht eingerechnet.

In Anbetracht der fatalen wirtschaftlichen Führung und Situation des Studentenwerkes und der zunehmenden Entfernung von den Studierenden sollte über eine Neubesetzung entscheidender Positionen nachgedacht werden. Auch von „einem Beitrag zur Verwirklichung von Chancengleichheit“, wie es in der Selbstbeschreibung des deutschen Studentenwerkes lautet, ist zumindest die hiesige Einrichtung weit abgerückt.

Die vom Studentenwerk eingerichtete Sozialberatung, die abseits der Studierenden in Gievenbeck ihren Dienst zwar mit zwei Mitarbeiterinnen, aber nur mit minimalen Öffnungszeiten verrichtet stellt auch keine ernsthafte Ambition dar, zumal der Bereich der Beratung für Studierende in Münster bereits sehr gut abgedeckt ist.

Forderung

Das Studentenwerk sollte sich auf seine Kernaufgabe besinnen und wieder studentische Interessen in den Vordergrund rücken. Gleichzeitig sollte lieber darüber nachgedacht werden, Geschäfte die nicht im Sinne der Studierenden betrieben werden abzugeben, die Portemonnaies der Studierenden nicht weiter zu belasten und zu einer wirtschaftlich nachhaltigen Führung zurückzukehren.

Wer weiß, welche Großprojekte noch folgen mögen… mit der nächsten Erhöhung bestimmt! (.sopo)

4 Kommentare

  • Von Neutralikus, 26. Dezember 2009 @ 11:34

    ja ja ….. Studieren widmet sich irgendwann nur noch den “reichen” ….. Studierendenzeit verkürzen — mehr Lernstress ….. weniger Zeit um nebenbei Arbeiten zu gehen …. Studieren ist, meiner Meinung nach, nicht mehr nur eine Frage des Könnens und des Wissens ist

    Geld regiert die Welt …. interessnter Spruch ….

    [Antwort]

  • Von bernd, 13. Januar 2010 @ 01:09

    sagt mal is das jetzt die forderung meiner studierendenvertretung. sich aufs nachdenken oder auf die besinnung des studentenwerks zu verlassen ist ein wenig schwach, oder nicht? eine konkrete forderung waere im naechsten semster 16 euro weniger zu zahlen oder gleich die zahlungen einzustellen. sind wir denn wirklich auf den laden angewiesen? fuer den großteil der studierenden sind sie lediglich mensaanbieter. natuerlich kommt hier das solidarprinzip zum tragen, weswegen nicht die minderheit vergessen werden darf die auch auf andere angebote des studierendenwerks, wie es eigentlich auch heißen sollte, angewiesen ist. wobei hier dann wieder bemerkt werden muesste, dass sich die asten ihre aufgaben auch ziemlich aus der hand haben ziehen lassen.

    gruß bernd das gnadenlose brot

    [Antwort]

  • Von bernd, 16. Januar 2010 @ 19:04

    eure seite ist darueber hinaus lahm…pasiert ja nichts und eingegangen wird auf kommentare auch nicht…mhhh

    [Antwort]

  • studierendenwerkelnd « hopowatch
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