Ras’sis·mus, der; -, keine Mehrzahl 1.Ideologie der Minderwertigkeit anderer Rassen und der Überlegenheit der eigenen 2. Benachteiligung, Hetze, Verfolgung von Menschen anderer Rasse
(Langenscheidt Online Fremdwörterlexikon)
Ist von Rassismus die Rede, so die vorherrschende Meinung, spricht man entweder von Ereignissen, die in der Vergangenheit und/oder außerhalb von Deutschland angesiedelt sind. In jedem Fall jedoch ist genereller Konsens, Rassismus sei ein Phänomen gesellschaftlicher Randlagen. Die öffentliche Berichterstattung tut ihr Übriges, um diese Meinung weiter zu reproduzieren und zu verfestigen.
In diesem Zusammenhang werden vor allen Dingen sozialwissenschaftliche Deprivationstheorien als Erklärungsmodelle angeführt.
Der Ausschluss von gesellschaftlichen Gestaltungs- und Teilhabemöglichkeiten sei ein wichtiger Grund für die Entwicklung eines rassistisch belasteten Menschenbildes. Diese Ansätze bieten jedoch keine Erklärung für die Tatsache, dass eben nicht alle Menschen, die in gesellschaftlichen Randlagen verortet werden, bewusst rassistische Einstellungen entwickeln, noch für das Phänomen, dass sich auch in der gesellschaftlichen Mitte bewusste oder unbewusste Rassismen wiederfinden. Hier müssen andere, mehrdimensionale Erklärungsmodelle herangezogen werden, die sich einerseits soziologisch, sozialwissenschaftlich und psychologisch orientieren.
Studien, wie die der Friedrich-Ebert-Stiftung aus den Jahren 2002 bis 2008 die rechtsextreme und rassistische Einstellungen in Deutschland untersucht haben, belegen, dass Rassismus und rechtsextremes Gedankengut eben keine bewussten Einstellungen von Menschen des sozialen und gesellschaftlichen Randes darstellen (müssen), sondern sich durch alle gesellschaftlichen Schichten, Gruppen, Altersklassen und Geschlechter, durch alle politischen Parteien ziehen.
Hochschulen als Bildungsinstitutionen stellen hier keine Ausnahme dar.
Sie sind keine Räume der wissenschaftlichen Unvoreingenommenheit, an denen unberührt von den Problemen der Gesellschaft gelehrt, gelernt und geforscht wird.
Der Umgang miteinander, das Lehren, das Lernen, das Leben an der Hochschule, kurz die Hochschulkultur konstituiert sich durch ihre Mitglieder.
Nicht nur, aber auch an der FH Münster wird die Mehrheit der Hochschulmitglieder durch Menschen gestellt, welche bereits als Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft sozialisiert wurden.
In Deutschland beinhaltet diese Sozialisation in der Mehrheitsgesellschaft automatisch unter anderem kapitalistische, sexistische und rassistische Konstruktionen.
Da weder Studierende, noch Lehrpersonal noch wissenschaftliche MitarbeiterInnen, noch alle anderen Hochschulmitglieder diese (teils) unbewussten Denk- und Handlungsmuster abstreifen, sobald sie die Räumlichkeiten der Hochschule betreten, nehmen sie diese mit hinein in jeden Arbeitsbereich.
Dies lässt wiederum nur den Schluss zu, dass Hochschulen keine Räume bieten, in welchen sich Mensch vor Rassismen geschützt bewegen kann.
Entgegen der hehren Erwartungen an akademische Reflektiertheit gehören rassistische Übergriffe in verbaler und nonverbaler, ob bewusst oder unbewusst zum Alltag an der FH Münster.
Ob es Lehrende sind, die in Vorlesungen und Seminaren rassistische Bemerkungen machen, oder ob es Studierende sind, die untereinander „Witze“ machen.
Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Bemerkungen und Witze von den „TäterInnen“ als schlimm, Reaktionen darauf eventuell sogar noch als übertrieben betrachtet werden.
Unabhängig von der Tatsache, dass nicht nur Schwarze Menschen und People of Color, sondern auch weiße Menschen von Rassismus beschädigt werden, definieren die Betroffenen, was Rassismus ist und nicht diejenigen, die sich rassistisch äußern.
Rassismus ist sowohl im Makrosystem Gesellschaft BRD als auch im Mikrosystem FH Münster systemimmanent und fordert jeden Menschen heraus, zu reflektieren und sich über rassistische Strukturen und Verhaltensweisen bewusst zu werden.
Als Allgemeiner Studierendenausschuss der FH Münster und somit als Vertretung aller eingeschriebenen Studierenden stellen wir uns mit aller Vehemenz gegen rassistische Übergriffe an unserer Hochschule, ob diese nun in Wort, Schrift oder Tat, bewusst oder unbewusst passieren.
Wir erklären uns solidarisch mit allen Studentinnen und Studenten, die von rassistischen Übergriffen betroffen sind und fordern:
Kein Platz für Rassismus an der Hochschule!!!