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Infoveranstaltung: Neonazis in Dortmund

Mrz
18
19:30

Dortmund – Neonazistische Hochburg in NRW

Vor nunmehr fünf Jahren wurde der Punk Thomas „Schmuddel“ Schulz mitten in der belebten Dortmunder Innenstadt von einem jugendlichen Neonazi brutal niedergestochen. Thomas erlag wenig später seinen Verletzungen. Nicht nur rückblickend auf die vergangenen Jahre lässt sich sagen, dass Neonazis auch weiterhin eine akute Bedrohung für Linke, MigrantInnen, Obdachlose und andere gesellschaftlich marginalisierte Gruppen sind. Angefangen von kleineren Pöbeleien, über handfeste Übergriffe und Hetzjagden durch die Straßen, bis hin zu Mord. So wurden seit der „Wiedervereinigung“ rund 140 Menschen von Neonazis allein in Deutschland ermordet und eine weitaus größere Zahl von ihnen verletzt. Aber auch in Tschechien und Russland hat die Zahl der Morde mit rassistischem und neonazistischem Hintergrund erheblich zugenommen. Offizielle Statistiken darüber werden dort erst gar nicht geführt.
Jüngstes Beispiel für den Nazi-Terror in Dortmund ist eine antifaschistisch engagierte Familie, die sich nach unzähligen Drohungen und Angriffen zum Wegzug aus Dortmund genötigt sah. Zudem stach der Überfall von rund 400 Neonazis auf die Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes am 1. Mai letzten Jahres besonders hervor. Dabei warfen die Neonazis Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper auf die TeilnehmerInnen der DGB-Demo und schlugen mit Holzlatten auf sie ein.
Von städtischer und zivilgesellschaftlicher Seite passiert wenig Effektives, um den Nazi-Terror einzuschränken. Meist sind es kurze öffentlichkeitswirksame „Runde Tische“, bei denen die Stadtoberen sich medial gut in Szene setzen lassen und beteuern, alles nur Erdenkliche gegen Rechts zu tun. Deren sonstiger Umgang mit der Thematik artikuliert sich entweder in Leugnung: „Dortmund hat kein Problem mit Nazis.“ (Polizeipräsident) oder Relativierung: „Dortmund ist eher eine Hochburg des Widerstands gegen Rechts.“ (Sonderbeauftragter der Stadt für „Vielfalt, Toleranz und Demokratie“). Aber in einem Punkt sind sich – nicht zuletzt zwecks Selbstvergewisserung – alle einig: Dortmund ist bunt statt braun. Bei einem derart wässrigen und oberflächlichen Anspruch und Verständnis von Antifaschismus verwundert es nicht, dass man den Neonazis erstens nichts Inhaltliches entgegenzusetzen hat und zweitens, städtische Gelder, die für Anti-Nazi-Arbeit vorgesehen waren, in musikalische Friedensfeste mit Sir Bob Geldof unter dem Motto „Schluss mit lustich – Es reicht“ investiert.

18.03.2010 | 19.30Uhr | Club Courage, Friedensstr. 42 (Hinterhof)

(polbil)

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